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Überschrift: Häufig gestellte Fragen zu Erdgas

Was hat der Erdgaspreis mit dem Ölpreis zu tun?

Ist die Ölpreisbindung sinnvoll und welchen Nutzen hat der Verbraucher?

Wie haben sich die Ölpreise seit 1990 entwickelt?

Wird die Ölpreisbindung auch in Zukunft Bestand haben?

Warum sind langfristige Lieferverträge sinnvoll und notwendig?

Wie und in welchen Zeiträumen erfolgt die Preisanpassung in den Erdgasbezugsverträgen von E.ON Thüringer Energie?

Warum sind Zeitpunkt und Ausmaß von Erdgaspreiserhöhungen und –senkungen uneinheitlich?

Ist der Spotmengenbezug eine Alternative zu langfristigen Erdgaslieferungsverträgen?

Ist auf absehbare Zeit mit fallenden Erdgaspreisen zu rechnen?

 

 

Was hat der Erdgaspreis mit dem Ölpreis zu tun?

Erdgas ist ein Naturprodukt, das nur in wenigen Ländern vorkommt. Deutschland ist ein an Rohstoffen armes Land und deshalb zu rund 84 % auf Importe angewiesen. Für eine sichere Versorgung mit Erdgas ist eine ausgewogene und vor allem langfristig gesicherte Struktur der Erdgasbezugsquellen von hoher Bedeutung. 16 Prozent des deutschen Erdgasaufkommens kommen aus eigenen Förderquellen, während Russland im Jahr 2004 rund 35 Prozent, Norwegen ca. 24 Prozent, die Niederlande rd. 19 Prozent sowie Großbritannien, Dänemark und andere 6 Prozent lieferten.

Die Verträge, die mit den Lieferländern über Jahrzehnte abgeschlossen wurden, müssen sich flexibel an den Wettbewerbssituationen im Markt orientieren. Sie enthalten Preisformeln, die sich an den wichtigsten Konkurrenzenergien im Markt orientieren. In den meisten EU-Ländern ist Heizöl die maßgebliche „energetische Leitwährung“, so auch in Deutschland. Die Marktpreisbildung von Heizöl als Basis für die Preisbildung bei Erdgas zieht sich also nicht nur in Deutschland durch alle Handelsstufen von Produzenten bis zum Endverbraucher.


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Ist die Ölpreisbindung sinnvoll und welchen Nutzen hat der Verbraucher?

Die Ölpreisbindung ist nicht gesetzlich verankert. Sie ist aber auch nicht die „Erfindung der deutschen Gaswirtschaft“, sondern grundlegender Vertragsbestandteil der langfristigen Lieferverträge zwischen den ausländischen Produzenten und deutschen Importeuren.

Derzeit ist nicht zu erkennen, dass sich die Produzenten von der Ölpreisbindung lösen wollen oder dass sich der Wettbewerb zwischen diesen Produzenten – evtl. mit der Folge des Verzichts auf die Ölpreisbindung – verschärft. Eine Abkehr von der Ölpreisbindung wäre für Deutschland nur dann durchsetzbar, wenn Gas langfristig in ausreichender Menge von einer Vielzahl von Produzenten zu Preisen beschafft werden könnte, die unter dem Ölpreisniveau liegen. Dies ist aber nicht absehbar. Einseitig kann sich Deutschland aber nicht von den auf dem europäischen Energiemarkt üblichen Konditionen abkoppeln. Dies wäre auch nicht sinnvoll, denn die Ölpreisbindung wirkt in beide Richtungen. Sie verhindert, dass Produzenten bei sinkenden Ölpreisen ihre Marktmacht ausspielen und die Gaspreise hoch halten können. Die vertragliche Ölpreisbindung gewährleistet, dass die Gaspreise bei sinkenden Ölpreisen ebenfalls sinken. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre ist der Verkaufspreis für Erdgas beispielsweise deutlich gesunken. Ohne Ölbindung wären solche Entwicklungen angesichts der wenigen Anbieter kaum vorstellbar. Die Ölbindung wirkt also als Schutzschild gegen überzogene Preisforderungen der Produzenten.

Angesichts des steigenden Erdgasbedarfs bieten langfristige Verträge dem deutschen Verbraucher auf Dauer die höchste Versorgungssicherheit bei kalkulierbaren Preisen. Vor diesem Hintergrund ist es übrigens wenig erstaunlich, dass das System der Ölpreisbindung von Produzentenseite zumeist in Zeiten niedriger Ölpreise kritisiert wird, während die Kritik der Verbraucherseite meist in Zeiten hoher Ölpreise laut wird. Das aber macht deutlich: Die Ölpreisbindung ist kein einseitiges Vorzugsmodell der Produzentenseite.


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Wie haben sich die Ölpreise seit 1990 entwickelt?

Die Grafik zeigt die Preisentwicklung (indizierte Preissteigerungsraten – keine absoluten Brennstoffpreise) bei Heizöl und Erdgas für Haushalte seit 1990. Deutlich wird, dass aufgrund der Ölpreisbindung der Erdgaspreis dem Ölpreis jeweils mit einer zeitlichen Verzögerung folgt. Hierbei fallen die Preisausschläge beim Erdgas deutlich geringer aus als beim Heizöl.

Bild: Grafik Entwicklung Öl- und Gaspreise


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Wird die Ölpreisbindung auch in Zukunft Bestand haben?

Erdgas gilt als Zukunftsenergie für West- und Mitteleuropa. Prognosen gehen davon aus, dass Erdgas in etwa 20 Jahren Erdöl als wichtigsten Energieträger der Weltwirtschaft überholt haben wird. Ein erheblicher Anteil dieser zusätzlichen Mengen wird aus Russland kommen. Um das Erdgas in den benötigten Mengen nach Westeuropa transportieren zu können, sind gewaltige Investitionen erforderlich. Mit diesen Investitionen begeben sich Lieferanten und Abnehmer in eine extreme gegenseitige Abhängigkeit. Kein Gasproduzent wäre bereit, solche hohen unternehmerischen Risiken zu tragen ohne eine Absicherung, auch in mehreren Jahrzehnte Erdgas zu ange-messenen Preisen verkaufen zu können. Da aber niemand voraussehen kann, wie sich die Energiepreise in den nächsten 10 oder gar 20 Jahren entwickeln werden, setzen die Erdgasimporteure weiter auf die Ölpreisbindung. Sie garantiert, dass sich die Preise für ihr Produkt nicht von der allgemeinen Preisentwicklung auf dem Energiesektor abkoppeln.


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Warum sind langfristige Lieferverträge sinnvoll und notwendig?

Langfristige Verträge bieten der deutschen Gaswirtschaft und den Verbrauchern Sicherheit für die Erdgasbezüge von den wenigen ausländischen Erdgasproduzenten. Die Vertragslaufzeiten gehen zum Teil über das Jahr 2025 hinaus. Es ist sicher zu verstehen, dass in solchen langfristig abgeschlossenen Verträgen keine konkreten Preise festgeschrieben werden, da sie sich ständig an die jeweils aktuelle Marktsituation anpassen müssen. Sie orientieren sich deshalb seit den sechziger Jahren an dem wichtigsten energetischen Konkurrenten in den meisten EU-Mitgliedsstaaten, dem Heizöl. Auch für die Erdgasproduzenten sind solche Verträge notwendig, um Investitionssicherheit für die kapitalintensive Erschließung ihrer Erdgasfelder zu ermöglichen. Damit wird ein Interessenausgleich zwischen der starken Produzentenseite und den Importunternehmen erreicht.


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Wie und in welchen Zeiträumen erfolgt die Preisanpassung in den Erdgasbezugsverträgen von E.ON Thüringer Energie?

Jedes Erdgasversorgungsunternehmen muss zur Gewährleistung einer sicheren Erdgasversorgung für seine Kunden Lieferverträge mit Vorlieferanten abschließen. In diesen Verträgen sind neben der Laufzeit, der Abnahmemenge und dem -zeitpunkt auch Preisformeln mit entsprechenden Anpassungsregelungen fixiert. Wesentlicher Bestandteil der Preisvereinbarung ist die Ölpreisbindung. Es gibt verschiedene Formen der Ölpreisbindung. Bei E.ON Thüringer Enerige ist in den Lieferverträgen eine so genannte 6-3-3 Ölpreisbindung festgeschrieben. Das heißt, dass über einen Zeitraum von jeweils 6 Monaten die Tagesnotierungen von 3 repräsentativen Marktstandorten entlang des Rheins – der so genannten Rheinschiene – statistisch erfasst und arithmetisch gemittelt werden. Der so errechnete Halbjahresdurchschnittswert für eine definierte Bezugsgröße von 40 – 50 hl gilt dann jeweils für 3 Monate. Demzufolge erfolgt alle 3 Monate eine Preisanpassung immer auf der Basis eines Halbjahresdurchschnittswertes der Rheinschiene, der vor dem Anpassungszeitraum liegt. In der Regel wirken dabei noch fest fixierte Verzögerungszeiträume. Diese können zwischen 1 bis 3 Monaten liegen, bei E.ON Thüringer Energie sind es 3 Monate. Auch andere Kopplungen sind möglich. Bei Erdgasversorgern, für die eine so genannte 6-1-3 Bindung gilt, wirken sich die Ölpreisveränderungen zeitnaher auf die Erdgaseinkaufspreise aus.


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Warum sind Zeitpunkt und Ausmaß von Erdgaspreiserhöhungen und –senkungen uneinheitlich?

Unterschiedliche Preise sind ein wesentliches Kennzeichen von Wettbewerbsmärkten, wie in anderen Gütermärkten auch, die zum Teil viel höhere Preisunterschiede aufweisen. Einheitspreise sind Merkmale von sozialistischen Staatswirtschaften. In der Marktwirtschaft handeln Unternehmen individuelle Verträge mit individuellen Preismechanismen aus. Preisunterschiede belegen zudem, dass es kein „abgestimmtes“ Verhalten der Erdgasversorgungsunternehmen gibt. Weiter muss berücksichtigt werden, dass Preisanpassungen bei unterschiedlichen Unternehmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgen. Eine Stichtagsbetrachtung ist deshalb für einen Preisvergleich beim Erdgas wenig aussagekräftig.


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Ist der Spotmengenbezug eine Alternative zu langfristigen Erdgaslieferungsverträgen?

Nicht zuletzt aus Gründen der Versorgungssicherheit ist absehbar, dass langfristige Importverträge auch in Zukunft in der Gaswirtschaft üblich bleiben. Spotmengen, die an so genannten „Hubs“ (Erdgashandelspunkte) gehandelt werden, können diese Lieferungen ergänzen. Allerdings sind Spotpreise in aller Regel starken Schwankungen unterworfen und können z.B. während der Wintermonate deutlich über langfristigen Vertragspreisen liegen. Dies zeigen zum Beispiel die Erfahrungen in Großbritannien. Auch an den Spotmärkten folgen die Erdgaspreise den Ölpreisen, da die beiden Produkte im Markt in Konkurrenz zueinander stehen.


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Ist auf absehbare Zeit mit fallenden Erdgaspreisen zu rechnen?

Um das einschätzen und eine verbindliche Aussage über sinkende Erdgaspreise geben zu können, müsste man über hellseherische Fähigkeiten verfügen und die künftigen international beeinflussten Ölnotierungen kennen, die durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt werden. Erst wenn sich die Ölpreise nachhaltig auf einem niedrigeren Niveau einpendeln, sinken auch die Erdgaspreise wieder. Es ist wichtig zu verstehen, dass Erdgaspreise Wettbewerbspreise sind. Sie können nicht losgelöst von den Preistrends auf den Weltenergiemärkten betrachtet werden. Diese befinden sich seit dem letzten Jahr leider in einer Hochpreisphase. Rohöl ist seit Anfang 2004 um 37 Prozent, leichtes Heizöl um 28 Prozent und Kohle um 29 Prozent gestiegen. Dem gegenüber fällt der Erdgaspreisanstieg von ca. 15 Prozent gegenüber den Haushaltskunden noch vergleichsweise moderat aus.


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